Endlich komme ich dazu auch in unseren tollen Blog zu schreiben. Ich muss leider zugeben dass Judith bis jetzt alles alleine gemacht hat und da ich meine Ehefrau nicht verärgern will, schreibe ich jetzt auch regelmäßig Berichte!! :)
In den vielen Stunden die Judith und ich zusammen verbracht haben sind wir wirklich ein gutes Team geworden. Ich korrigiere ihre Rechtschreibung beim Lesen ihrer Texte, sie motiviert mich beim Sport und wir diskutieren wie ein altes Ehepaar wenn es darum geht unseren Urlaub zu planen.
An dieser Stelle: DANKE JUDITH für all die tollen Augenblicke die ich bis jetzt mit dir erleben durfte!
Jetzt bin ich schon drei Monate fort von zu Hause. Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht.
3 Monate ohne Familie & Freunde, ohne Auto, ohne Zigaretten und der restliche Luxus...
(Weil mich so viele von euch gefragt haben - ja ich bin immer noch Nichtraucherin und nein ich habe keine einzige Zigarette geraucht seit ich in Zürich ins Flugzeug gestiegen bin.)
Vor zwei Wochen hatte ich meinen ersten richtigen "Durchhänger". Ich hatte ständig Heimweh und wollte einfach in meinem gewohnten Umfeld sein, meine Familie und meine Freunde um mich haben. Außerdem habe ich die simplen Dinge vermisst: Wasser dass aus dem Hahn kommt wenn man ihn aufdreht (wir hatten für kurze Zeit kein fließend Wasser mehr), Internet dass für 2 Tage problemlos funktioniert, ein Tag mit drei Mahlzeiten ohne Kartoffeln, Leitungswasser dass nicht gelblich ist, ...
Hier habe ich wirklich gelernt die kleinen Dinge im Alltag zu schätzen. Wir leben in so einem Luxus, dass wir die Kleinigkeiten vollkommen übersehen.
Hier ein kleines Beispiel:
Ich kann mich noch genau erinnern wie ich nach Bukarest gekommen bin und mir gedacht habe dass sich das Klopapier wie Schmirgelpapier anfühlt und ich mich sicher NIE daran gewöhnen würde. Letztes Wochenende war ich für vier Tage in Bukarest und ich habe im Badezimmer das Klopapier 10 Minuten nur in der Hand gehalten weil es mir so kuschelig vorkam. Ja, ich war wirklich begeistert vom rumänischen Klopapier. :)
In Bukarest war schon vieles anderes wie im schönen Ländle aber Moldau ist nochmal ein Stück "hinter her". Hier fahren am Tag mehr Pferdekutschen als Autos vorbei. Es gibt nur wenige geteerte Straßen, das Fleisch wird in der Hauptstadt Chișinău teilweise sogar auf einem Pappkarton auf der Straße verkauft und sie haben eine ganz andere Kultur wie wir.
- Zum Beispiel gilt öffentliches Schnäuzen hier als sehr respektlos.
- Außerdem "muss" man einen angebotenen Tee immer annehmen.
- Es wird nur der Mann mit Handschlag gegrüßt, die Frau/Tochter/... nicht!
In den meisten Häusern wo wir am Mittag Essen verteilen gibt es keine Elektrizität. Es gibt in keinem Haus fließend Wasser und die Zustände in denen diese Menschen leben kann man sich nicht vorstellen. Hier habe ich zum ersten Mal wirkliche Armut gesehen. Diese Leute haben alle ein Leben lang gearbeitet, waren teilweise sogar Lehrer und müssen jeden Tag zum Brunnen gehen, Wasser schöpfen und es in einem Kübel ins Hause tragen. Hier herrschen Zustände die man sich in 10.000 Jahren in Vorarlberg nicht vorstellen kann!!!
Früher habe ich mich immer gefragt wie es sich anfühlen wird in einem sozialen Projekt zu wohnen und zu arbeiten. Ehrlich gesagt ist es GANZ anders wie ich immer gedacht habe. Wenn ich in den Häusern bei den alten Leuten bin und ihre Not sehe, bekomme ich oft ein schlechtes Gewissen wenn ich daran denke wie ich mich zu Hause über Kleinigkeiten, die aus jetziger Sicht komplett unwichtig waren, beschwert habe. Wenn die Kinder mit Stolz ein Deo zeigen und mich bitten daran zu riechen, denke ich daran dass ich gerade ein 60€ Parfüm trage. Die Mädchen kommen oft in mein Zimmer und probieren meinen ganzen Schmuck gleichzeitig an und bitten mich Fotos zu machen. Die Kinder haben hier leider wirklich fast keine persönliche Gegenstände. Die meisten Dinge die sie haben sind Geschenke von Sponsoren. Deswegen haben auch 15 Kinder in meinem Haus den gleichen Rucksack, die gleichen Hausschuhe, die gleiche Jacke, ...
Man kann hier in 10 verschiedene Häuser gehen und könnte nicht erkennen welches Kind in welchem Haus wohnt, es sieht alles gleich aus.
Ich habe hier auch schlechte Augenblicke erlebt. Zum Beispiel wenn mich die älteren Kinder anmotzen und sagen dass die alten Volontäre besser waren, ich sowieso nichts kann und ich lieber wieder abreisen soll, habe ich mich auch schon gefragt was ich hier überhaupt mache.
Aber dann kommen wieder die guten Tage, Stunden, Augenblicke, die dich alles andere vergessen lassen. Wenn die Kinder auf dich zu rennen und dir sagen dass sie dich vermisst haben wenn du übers Wochenende nicht im Haus warst. Wenn am Abend die Kinder an deine Tür klopfen und nur ein bisschen kuscheln wollen. Wenn ich "meine" strahlenden Kinder beim Tisch ansehe, ich mit ihnen herum albere oder sie mir stolz von ihren guten Noten erzählen bin ich mir wieder ganz sicher dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe hier her zu kommen.
Vielen Dank für all die lieben Mails, Nachrichten, Briefe und Pakete. Ich habe mich wirklich wahnsinnig gefreut!
Ich hoffe es geht euch allen gut und bis bald, versprochen! :)
Nadja
Bin begeistert, dass ihr diesen Blog eingerichtet habt, liebe Mädels!!
AntwortenLöschenDiesen Link kann ich auch mal jemandem schicken, der/die mich interessiert fragt, was meine Nadja da denn so macht oder wie es ihr ergeht!
DANKE und ich freue mich auf jeden neuen Eintrag von euch!
Ganz lieben Gruß aus Dornbirn, Mama/Birgit
Hallo Mama,
Löschenvielen Dank für dein liebes Kommentar. Ich habe es leider erst jetzt gesehen! :(
Ja dass kannst du gerne machen. Wir schreiben immer wieder einen Beitrag. Bussi